mädchen

 Längst hat sich Flix als einer der profiliertesten Comic Künstler etabliert. Mit Mädchen schließt er seine Heldentrilogie ab. Sorgte Held mit seiner erzählerischen Tiefe noch für den Grundstein seiner Trilogie und sag was für eine analytische Aufarbeitung einer verflossenen Beziehung kommt bei Mädchen eine neue Dimension hinzu.

Unser Held, Felix, kommt eigentlich als Zeichner gut klar. Er kann alles zeichnen und hat so sein Auskommen. Wirklich alles? Nein, bei Mädchen resigniert er regelmäßig. Da er sich jedoch den einen oder anderen lukrativen Auftrag nicht entgehen lassen möchte, macht er aus der Not eine Art Tugend. Er schummelt, indem er Mädchen in Berlin in Alltagsszenen fotografiert und sie dann für seine Zeichnungen durchpaust. Der Erfolg ist ihm gewiss und die Aufträge türmen sich daher.

Alles kommt, wie es kommen muss. Irgendwann läuft ihm die Frau seiner Träume vors Objektiv. Doch wie nähert man sich einer Person, der man nicht die Wahrheit über sein fotografieren erzählen will bzw. kann? So flüchtet sich Felix von einer Ausrede bzw. Verlegenheit in die nächste, bis sein Lügengebäude zusammenbricht.

Wenn auch de vorliegende Story nicht ganz an das Niveau der beiden Vorgängerbände heranreicht, dürfen wir uns doch über einen außergewöhnlich witzigen Band freuen. Wenn wir also überhaupt meckern, dann auf hohem Niveau. Hier und da mag man sich sogar ein wenig fremdschähmen, wenn Felix wieder zu einer Notlüge ansetzt, weil man als Leser schnell erkennt, dass irgendwann das Konstrukt in sich zusammenbrechen muss. So dreht sich das Karussell der lügen und Ausflüchte immer schneller, bis Felix konsequenterweise die Reißleine ziehen muss.

Auch der typische „Flix Humor kommt nicht zu kurz, wenn beispielsweise der Erzähler über das Cover von i-kuh reflektiert, das nicht-lustig ist. Was Flix jedoch längst auszeichnet, ist die pointierte Schilderung vermeintlich banaler Alltagsszenen, die er auf seine Art „veredelt“, indem er ein Detail besonders oder völlig anders betont als dies üblicherweise geschehen würde. so macht beispielsweise das heimliche, nächtliche Eindringen ins Schwimmbad einfach nur Spaß, weil man als Leser das Gefühl hat, Komplize dieses Abenteuers zu sein. Denn gerade dieser nächtliche Ausflug ins Schwimmbad soll dann auch die Wende in der aufkeimenden und zunächst augenscheinlich so unbeschwerten Beziehung mit Esther darstellen.

Autobiografien funktionieren in der Regel dann am besten, wenn der Erzähler möglichst schonungslos mit sich umgeht und sein Seelenleben preisgibt. Flix tut dies, indem er Felix seine Leser direkt ansprechen lässt oder Einblicke in die Phantasiewelt von Felix gewährt. Auch die alternativen Handlungsstränge, die sich Felix ausmalt und die dann wieder in sich zusammenbrechen bzw. aufgegeben werden, bereichern den Plot und überdecken so die hier und da vorhersehbaren Wendungen.

Mädchen bietet also eine mehr als nur gelungene Ergänzung zu den beiden Vorgängerbänden und rundet die Heldentrilogie ab.

Stellenweise fühlte ich mich beim nächtlichen Trip durchs sommerliche Berlin an „Before Sunrise“ mit Julie Delby und Ethan Hawke erinnert.

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