Sandman: Ouvertüre; Band # 2

SANDMAN+OUVERT%C3%9CRE+2 Mit dem vorliegenden Band veröffentlicht Panini die US-Ausgaben The Sandman: Overture # 4-6. Gleichzeitig wird der Auftakt zur Hauptserie abgeschlossen.

Nach einiger Zeit setzt Gaiman seine Serie, die nach 25 Jahren den Auftakt zu seiner bis heute bahnbrechenden Serie Sandman fort. Sandman hat als Serie immer davon profitiert, dass man als Leser stets überrascht wurde und beim Umblättern einer Seite selten wusste, was einen dort erwartete.

Genau dieses Feeling transportiert Gaiman auch in seine Miniserie. Der Band strotzt vor Überraschungen und setzt doch auf Vertrautes, das den Sandman Lesern durchaus bekannt ist. So ist auch hier Destruction schon verschwunden und auch das besondere Verhältnis zwischen Dream und Delirium, die hier noch nicht ganz so „verpeilt“ erscheint und im Gegenteil wohl eher den Durchblick als ihr Bruder hat, wird beleuchtet. Schließlich ist sie die Einzige, die Dream ohne Vorbehalt hilft und auch nicht die Gefallen einfordert, wie diese unter den Ewigen in der Kernserie durchaus üblich sind.

Völlig überraschend ist die Einführung von Vater und Mutter der Ewigen. Gerade der Vater hat Anleihen aus der Mythologie, so dass ich ihn sprachlich als eine gesunde Mischung aus Odin und Zeus einordnen würde. Auch diese Anleihen aus der Mythologie ist ein Stilmittel, das wir durchaus aus der Kernserie kennen.

Inhaltlich finden wir eine andere Ausrichtung der Serie vor. Waren die ersten 3 Teile davon geprägt, dass uns Gaiman auf eine Reise durch das Sandman Universum samt der Nebencharaktere mitgenommen hat, konzentriert sich der zweite Teil der Ouvertüre auf Dream selbst. Dabei wirkt er stellenweise ungewohnt verzweifelt. Die Dialoge zwischen Dream und den anderen Charakteren sind nicht nur Träger des Plots, sondern auch der Spannung. Wie denn dann Dream dem Schwarzen Loch entkommt, ist ebenso überraschend, wie er den Wirbel, der das Universum vernichten will, überwindet. Dieser Wirbel korrespondiert mit den Ereignissen aus dem Puppenhaus um Rose Walker. Doch dieser Aspekt dient nur dem tieferen Verständnis, auch wenn garantiert die Mehrheit der Leser die Kernserie gelesen haben werden.

Der Ausgang der Miniserie ist dann wiederum bekannt und verläuft nicht überraschend. Da auch Gaiman dies weiß, legt er gegen Ende andere Schwerpunkte und zeigt Dream beispielsweise von seiner verletzlichen Seite.

Wenn man denn also einen Kritikpunkt suchen bzw. finden möchte, ist es, dass die zahlreichen Rosinen, die Gaiman in  seiner Miniserie  versteckt bzw. garniert hat, eher die Leser anspricht, die Sandman bereits kennen als neue Leser. Doch die Ausrichtung der Serie war immer eine Belohnung für die Sandman Fans, so dass sich Gaiman und seinen Prinzipien treu bleibt.

Für seine Miniserie hätte sich Gaiman keinen besseren Zeichner als J.H. Williams III aussuchen können. Wie wir das auch schon aus seiner Batwoman kennen, greift er auf unorthodoxe Panelanordnungen zurück. Insbesondere, als Dream aus Raum und Zeit gerissen wird, nutzt J.H. Williams III oft fließende Übergänge zwischen den einzelnen Panels, falls man hier überhaupt noch von Panels im eigentlichen Sinn reden kann.

Die Schwierigkeit, ein Artwork umzusetzen, dürfte auch darin liegen, dass sich Dream selten in einem konkreten Setting bewegt. Hierzu zählt auch die Stadt der Sterne, die aus Licht besteht.

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass solch ein komplexes und atmosphärisch in sich dichtes Werk wie Sandman durch diese Miniserie nicht nur abgewertet, sondern auch abgerundet und gar bereichert wird. Alles in allem macht die Ouvertüre ungemein Lust darauf, gleich wieder den kompletten Sandman zu lesen.

Ein Gedanke zu “Sandman: Ouvertüre; Band # 2

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