isoundwords # 31: Die Eine über wandelnde Universen und Klassiker

Als ich diese Kolumne schreibe, hat Mars eine Riesenrückrufaktion für Mars, Snickers, Milky Way und Celebrations für ein Mindesthaltbarkeitsdatum zwischen dem 19. Juni 2016 und dem 8. Januar 2017 gestartet. Wer verunsichert ist, darf seine Schokoriegel auch gerne zu mir schicken. Ich teste sie dann.

Doch nun zum eigentlichen Thema:

Es gibt wirklich zahlreiche Klassiker der Comic Literatur und ich bin mir sicher, dass die meisten Leser meiner Kolumne wenigstens einen Teil dieser Klassiker längst gelesen und ihrer Sammlung einverleibt haben. Ich meine damit solche bedeutenden Werke wie Watchmen, Squadron Supreme, The Killing Joke usw. Man merke, thematisch beschränke ich mich hier auf das Superheldengenre.

Doch warum sind solche Stories zu Klassikern geworden? Nun, mit Sicherheit ist der vorstehende Grund, dass diese Stories herausragend geschrieben und gezeichnet sind. Watchmen und Squadron Supreme handeln in einem eigenen Universum, was die Handlungsspielräume für die jeweiligen Autoren natürlich erweitert. The Killing Joke ist zwar fester Bestandteil der Batman Continuity, aber dennoch längst ebenso ein herausragender Klassiker wie Der Tod von Superman. Zu solchen Klassikern würde ich auch den Claremont/Lee Run bei den X-Men oder auch Der Tod von Gwen Stacy  von Gerry Conway bei Spider-Man zählen – allein schon, weil dies das Ende für das Silver Age bedeutete. Meine Liste kann nicht mal ansatzweise den Anspruch haben, abschließend zu sein. Tatsächlich spiele ich schon länger mit dem Gedanken, Klassiker mal Thema einer Kolumne werden zu lassen. Jetzt würde dies einfach zu weit führen.

Doch was verleiht einem Klassiker das Qualitätssiegel eines ebensolchen?

Da wäre zunächst einmal die Anerkennung von Kritikern und Fans. Letztere macht sich natürlich auch in Verkaufszahlen bemerkbar und in der fortwährenden Diskussion über diese Werke, die an Stammtischen, anlässlich von Conventions oder anderen Gelegenheiten, zu denen sich Comicbegeisterte zusammenrotten, aufs Stichwort wieder aufflammen. Hinzu kommt, dass wir als Fans der Neunten Kunst solche Werke immer wieder zur Hand nehmen. Großes Kino halt..

Für das Thema dieser Kolumne sind die Klassiker besonders bedeutsam, die sich in eine Continuity einordnen bzw. sich aus einer ergeben haben. Solche Stories werden von den Künstlern oft über längere Strecken vorbereitet und zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht. Einige besondere Stories reflektieren dann oft noch Geschehnisse, die Jahre zurückliegen. Für mich sind das wahre Gänsehautmomente und das ist nicht einfach nur so dahingesagt bzw. -geschrieben. Das mögen sogar historische Momente sein und wegen mir mag man sie auf die Comicgeschichte begrenzen. Funktionieren kann das jedoch nur, wenn man Künstlern und Stories die Zeit gibt zu reifen.

Wenn ich mir die aktuelle Entwicklung bei den großen Verlagen anschaue, frage ich mich, ob wir solche Klassiker heutzutage überhaupt noch erleben dürfen. Mir tut dabei insbesondere die junge Generation von Lesern leid, weil es einfach einen Riesenunterschied macht, ob man Zeitgenosse eines Klassikers ist oder ob man auf Klassiker von einst zurückblickt. Beides macht zweifelsohne Spaß und hat seinen eigenen Reiz, aber so ein gewisser Aktualitätsfaktor ist dann einfach die Kirsche auf der Sahne.

Heute bestimmen halt Schlipsträger mit frischem BWL Uni Diplom das Geschehen mit. Verkaufszahlen müssen erwirtschaftet werden, um Dividenden auszahlen zu können und so Aktionäre zufriedenzustellen. Solche Dinge sind bei aller Romantik heutzutage wichtig, aber die Luft für das Besondere auch im Hinblick auf Nachhaltigkeit sollte nicht gänzlich vergessen werden. Vierteljahreszahlen aus einer Bilanz sind wichtiger als ein langfristiger Erfolg.

Jahrzehntelang haben die Verlage mal mehr, mal weniger gute Dinge in ihren verschiedenen Serien und damit natürlich auch eine Menge an Continuity Ballast produziert. Dann entschloss sich DC zu einem gewaltigen Schritt, nämlich dem Reboot im Rahmen der New 52. Der Start war ohne Frage erfolgreich und brachte bei der einen oder anderen Serie ordentlich frischen Wind. Sogar ich habe so meinen Frieden mit DC gemacht und auch die eine oder andere Serie verfolgt, wie hier auch auf dem Blog den Rezensionen zu entnehmen ist. Als Speerspitze würde ich Superman anführen, der für mich über Jahre hinweg eigentlich nur der Superlangweiler war. Doch die neuen Geschichten haben Spaß gemacht, wobei ich einräumen muss, dass dieser Effekt bei den Mittzwanzigern Heften (da bin ich zurzeit angelangt) etwas nachlässt. Mal schauen, ob dies ein Trend oder nur eine kleine Formdelle ist. Auch das Panini Konzept mit Supergirl als Zweitserie in einem Heft konnte mich überzeugen. Nach Jahren der Dominanz wurde Marvel von DC in den Verkaufszahlen in den USA überholt und so in Zugzwang gesetzt. Auf den Big Bang der New 52 folgte also Marvel NOW!, das mehr auf chirurgische Einschnitte setzte. Mittlerweile hat Marvel auch dank der Star Wars Comics den Spieß wieder rumgedreht.

Während schon zu Beginn der Marvel NOW! Ära die Gerüchte nicht verstummten, dass Marvel den eigentlich großen Wurf erst noch plant, war ich davon ausgegangen, dass DC seinen Hafen erreicht hat. Folglich konnte meine Überraschung kaum größer sein, als ich erfuhr, dass die New 52 von DC YOU abgelöst werden. Mit der Einführung von DC YOU nach nicht einmal 4 Jahren seit dem letzten Reboot werden mit Batwoman und Supergirl auch 2 Serien gestrichen, die ich besonders gemocht habe. Das muss mir nicht zwangsläufig gefallen. Hinzu kommt die Neuausrichtung bei Batgirl, die aber schon jetzt vollzogen wird. Vielleicht werde ich der Justice League of America wegen Bryan Hitch eine Chance geben. Ansonsten wäre ich bei DC relativ schnell wieder weitgehend draußen.

Wie wir ja alle wissen, startet auch Marvel nach dem Zwischenschritt Marvel NOW! sein Programm im Rahmen der Marvel Battleworld neu. Dort sind ja die Universen kollidiert und ausgelöscht. Die Battleworld ist eine Patchwork Welt, die aus Erinnerungen besteht. What? Das ist so extrem an den Haaren herbeigezogen, dass es wirklich schwerfällt, Fan zu bleiben. Und das sagt einer, der bei Spider-Man den Mackie / Byrne Run weggesteckt hat. Jetzt mal im Ernst, stellt Euch mal den unbedarften Kinogänger vor, der über die Filme zu den Comics gelangt. Der liest sich solch ein Heft durch (wenn er es wirklich bis zum Ende schafft) und rennt schreiend weg. Wenn denn die Filmwelt, die ich als Drahtzieher dieser Events vermute, bei beiden Verlagen eingreift, dann doch bitte so, dass man die (neuen) Fans nicht gleich wieder vom Hof jagt.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sowohl Convergence als auch Secret Wars das Ziel haben zu reduzieren. Wenn man denn mit Gewalt reduzieren will, dann reicht es doch völlig aus, die Paralleluniversen zu ignorieren. Und für das ultimative und das 616 Universum hätte es dann bestimmt auch eine bessere Lösung gegeben. Was waren das dann doch aus heutiger Sicht für goldene Zeiten, als Brian Michael Bendis noch als Marvels Totengräber verteufelt wurde!

Unabhängig hiervon bin ich gespannt, wie Panini das Marvel Programm für den deutschen Markt ausrichten wird. Welche Serien werden in Heftchen Form bestehen, welche Serien werden in Form von Sonderbänden veröffentlicht usw.? Natürlich werde ich hierauf zu gegebener Zeit eingehen.

Ich gebe es gerne zu, dass ich bei der Ankündigung von Marvel NOW! ähnlich skeptisch war wie ich nun bei der Battleworld bin. Dennoch ist bei mir dann doch bei Serien wie Ms. Marvel, Hawkeye oder auch Silver Surfer so etwas wie ein Marvel NOW! Gefühl aufgekommen. Man merke aber, dass dies Serien sind, die entfernt von irgendwelchen Events wachsen durften. Die Kreativ-Teams waren relativ frei und haben eben diesen Freiraum auch entsprechend genutzt.

Meine bescheidene Empfehlung an beide Verlage wäre, dass man mit Events einfach mal pausiert und die mit der Rasenmähermethode heimgesuchten Universen sich einfach mal erholen lässt und so von Events mal für 3 Jahre absieht. Ich weiß, wird nicht passieren.

Was ich aber an Panini wirklich schätze, ist, dass sie solche Klassiker mittlerweile immer wieder veröffentlichen. Hierzu zählen die Neuveröffentlichung des Claremont / Lee Runs der X-Men, des Age of Apocalypse oder auch des im Sommer anstehenden Maximal Carnage. Bei DC habe ich ja den Tod von Superman bereits erwähnt und Klassiker wie The Killing Joke werden immer wieder neuaufgelegt und verfügbar gehalten.

Da nunmehr auch der abschließende Band # 2 vorliegt, empfehle ich Sandman Ouvertüre, Band # 2 – gleich mit Band # 1. Panini wird aber auch noch einen Komplettband dieser Miniserie veröffentlichen.

In der Rubrik „Musikgruß“ stelle ich ja immer gern den Rückbezug zum ersten Absatz dar. Dazu fällt mir aber beim besten Willen nichts ein. Daher gibt es ein Lied von 4 Jungs aus London, das mir besonders viel bedeutet.

Die nächste isoundwords wird am 25. März 2016 erscheinen und den Titel tragen: “Die Eine über den Abstieg von Vertigo.”

Bis dahin: Lest mehr Comics!

Das war für heute isoundwords.

 

2 Gedanken zu “isoundwords # 31: Die Eine über wandelnde Universen und Klassiker

  1. Wiedermal sehr interessante Infos für mich, deine Kolumne finde ich wie eigentlich immer ziemlich gut. Gerade bei den Klassikern benötige ich doch noch Infos um die guten von den schlechten Trades zu unterscheiden. Wenn ich mir z.B. anschaue was bei Marvel und DC über die Sammel-Hardcover-Ausgaben im Bahnhofsbuchhandel steht, verzweifle ich immer wieder. Alles Klassiker, reinschauen kann man nicht. Ich entscheide auch nach dem Artwork.
    Obwohl ich mittlerweile hunderte Comics im Regal stehen habe, blicke ich gerade bei Marvel nur schwer durch. Das autimative Universum war das letzte was ich regelmäßig gekauft habe, aber selbst dort kann ich die letzten Mike Morales Bände nicht mehr richtig einordnen, dann bleiben sie halt im Comicshop liegen. The Siege habe ich noch verstanden, ein bisschen X-Force, ein bisschen Thunderbolts gelesen, der Wechsel von Ultimativ und Ultimate war schon schwierig, bei Marvel Now bin ich komplett ausgestiegen. Seither kaufe ich Fables und so ähnliche Serien.
    Kannst du eine Seite empfehlen, in denen die ganzen Zyklen erklärt werden, auf der eine zeitliche Einordnung geschieht?
    Gott, wenn ich mir nur vorstelle ich kaufe einen neuen Tradepaperback am Bahnhof und am Ende stellt sich raus das der auf Erde 55,66 oder 77 spielt und vielleicht schon 2001 das erste mal veröffentlicht wurde……

  2. Vielen Dank für Deinen Kommentar. Leider gibt es im Moment keine Serie, die das alles zusammenfasst. Die in Heftform bei Panini erschienenen Avengers waren ja die Road to Secret Wars. Empfehlen kann ich das aber nicht. Steigt man in den Hickman Run unbeleckt ein, könnte das ganz schön Frust verursachen. Das baut doch alles schon seit Jahren sehr behutsam aufeinander auf. Bei Secret Wars selbst ist jetzt gerade mal die # 3 erschienen und ich ahne noch nicht, worauf Hickman hinaus will. Die Serien sind sehr dezentral angelegt, so dass es sonst keine verbindende Klammer gibt. Vielleicht ergibt sich bei Marvel ein guter Wiedereinstieg nach Secret Wars und bestimmt wird Panini irgendwann Secret Wars als Trade veröffentlichen.
    Fables ist ja nunmehr auch durch. Was Panini jetzt noch veröffentlicht, ist der Rest vom Fest. Folge ruhig mal meinen Lesetipps, falls Du Sandman noch nicht kennst.

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