MPH – Schnelle Pillen

MPH+-+SCHNELLE+PILLEN Mit dem vorliegenden Band veröffentlicht Panini die 5 US-Ausgaben und damit die komplette Miniserie.

Mark Millar scheint ein unendlicher Quell an Geschichten zu sein. Mit MPH legt er erneut eine mehr als nur lesenswerte Story vor, deren Filmrechte längst von Lorenzo di Bonaventura gesichert wurden.

Millar benötigt ein wenig Zeit und Raum, um seine Story in die richtigen Bahnen zu lenken. Sie wirkt zu Anfang fast wie eine beliebige Story aus dem Drogenmilieu. Doch bereits hier legt Millar seinen Plot geschickt an. Nicht umsonst hat er Detroit als Setting ausgesucht, denn Detroit hat seit Ende 2012 bis ins Frühjahr 2014 hinein ein aufsehenerregendes Insolvenzverfahren erfolgreich abgeschlossen.

Millar verbirgt seine Gesellschaftskritik und seine Kritik an den großen Konzernen hinter einer realistischen Variante von Flash. Hierbei vergisst er auch nicht das geringste Detail in seiner Schilderung, so dass der Plot außergewöhnlich dicht ist.

Roscoe, die Hauptfigur der Story, der als Drogenkurier von seinem Boss augenscheinlich geopfert wird, muss erst auf den Abgrund sinken, bevor er zum Äußersten greift und scheinbar gewinnt. Er kann mit den geheimnisvollen Pillen, die ihn übermenschlich schnell machen, nicht nur mit spielerischer Leichtigkeit aus dem Gefängnis entkommen, sondern auch in der Folge mit seiner Freundin Rosa und seinem besten Kumpel Chevy ein Vermögen anhäufen. Da aber ihr Vorrat an Pillen begrenzt ist, ist auch ihre Zeit als Superkriminelle absehbar.

Millar gelingt es schließlich nicht nur eine plausible Auflösung seines Plots zu schreiben, sondern diese auch noch packend und spannend zu erzählen. Dabei dreht er – dem Thema der Miniserie angepasst – nicht nur an der Temposchraube, sondern liefert einen komplett neuen Ansatz für das Genre, das sich mit Superkräften befasst. Millar wäre auch nicht der Autor, der er ist, wenn er nicht auch eine Menge politische Ansätze eingebaut hätte. Dies macht den Plot multi-dimensional, weil er sich dabei eben nicht auf ein politisches Thema beschränkt, sondern gleich mehrere Eisen im Feuer hat. So finden beispielsweise nicht nur der Friedensgipfel von Reagan und Gorbatschov in Reykjavík Berücksichtigung, sondern auch die Besteuerung der großen Konzerne, oder auch das Wettrüsten der Supermächte in der Ära nach dem 2. Weltkrieg. Dass dies nicht überfrachtet wirkt, liegt wiederum an Millar, der die Themen nicht totredet und doch so anreißt, dass sie nicht oberflächlich thematisiert wirken.

Mit Duncan Fegredo hat Millar einen Künstler gefunden, dem es gelingt, das Tempo der Akteure im Vergleich zur „normal“ schnellen Menschheit darzustellen. in diesen Sequenzen stellt er mehr die Charaktere samt ihrer Mimik in den Vordergrund. Teilweise pfeift er dabei auf Proportionen und genau diese Verzerrungen transportieren das Tempo der Akteure zum Auge des Lesers.

Millar legt also mit MPH erneut eine Story vor, die man als Comicleser und -Sammler lesen sollte und über die man dann gerne diskutiert. Sein Ansatz verfeinert dabei das Konzept, das er für Marvel bei den Ultimates eingeschlagen hatte.

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