Captain America: White

CAPTAIN+AMERICA%3A+WHITE+SOFTCOVER Mit dem vorliegenden Band veröffentlicht Panini die komplette Miniserie Captain America: White # 1-6.

Die sog. „Color Books“ Daredevil: Gelb, Hulk: Grau und vor allem das wunderschön nostalgische Spider-Man: Blau sind legendär dank ihres hohen Qualitätsstandards. Doch diese sind bereits vor geraumer Zeit erschienen und auch diese Miniserie hat wegen diverser Gründe rund 7 Jahre bis zu ihrer Fertigstellung benötigt.

Jeph Loeb wurde zum Chef von Marvel Television ernannt, Bucky kehrte zunächst als Winter Soldier von den Toten zurück, um sogar für eine gewisse Zeit, den Schild zu tragen und selbst den Captain zu geben. Dies alles kollidierte mit Loebs Ansätzen und Ideen für seine Serie. Doch in 2015 erfolgte dann die Ankündigung, dass nunmehr die Serie fertiggestellt werden sollte.

Als Einstieg in die Serie wählt Loeb einen Ansatz, den Leser des Captain längst kennen. Steve Rogers definiert sich selbst als wandelnden Anachronismus. So fällt er immer wieder in Erinnerungen, in denen er seinen Partner Bucky, den er zunächst James nannte, kennenlernte und trainierte, nachdem dieser zufällig seine Geheimidentität erkannte. Dabei setzt Loeb mit seinem Erzählstil auf den Faktor Nostalgie – ähnlich, wie wir das von Spider-Man: Blau kennen – und kombiniert dies mit einem gewissen Optimismus, den ein Captain America nun mal ausstrahlen muss. Hierfür steht auch Bucky, der als Sidekick die Rolle des Sonnyboys gibt und doch auch gleichzeitig um die Anerkennung seines Mentors ringt. Überstrahlt wird dies mit Caps Suche nach Hoffnung. Dass dies dann nicht ins Sentimentale abgleitet, ist der Verdienst und die eigentliche Kunst Loebs, dem dieser Ritt auf der Rasierklinge, den er bewusst gewählt hat, gelingt. Es ist die direkte Art Loebs, diesen Plot anzugehen, die das verhindert.

Loeb und Sale sind und bleiben die Meister des Cliffhangers. Jeder Teil verfügt über eine wirklich starke Schlussseite, auch wenn in Til # 4 die Nazis nach dem Cliffhanger allzu leicht besiegt werden. Doch solche Passagen dienen nur der Vorbereitung des Aufeinandertreffens mit dem Red Skull und seinen Plänen für Paris. Loeb thematisiert sogar die Kooperation einiger Franzosen, die sich hiervon Vorteile versprochen hatten.,mit den Nazis. Er kritisiert dabei diese Kollaborateure nicht so extrem, wie dies Albert Camus in Die Pest getan hat, aber thematisiert es deutlich.

Chronologisch ist diese Serie vor Buckys Rückkehr als Winter Soldier einzuordnen. Es handelt sich in jeder Hinsicht um klassischen Stoff im besten Sinne, der ein Lächeln auf die Lippen seiner Leser zaubert.

Nicht genug hervorzuheben ist das Artwork von Tim Sale, das von Dave Stewart, der seinen Ruf als einer der besten Koloristen der Szene eindrucksvoll untermauert, unterstützt. Seine Abstufungen der Kolorierung helfen dem Leser, sich in der Chronologie der Ereignisse des Plots zu orientieren. Sale schafft es, jedem einzelnen Panel seine ganz spezielle Bedeutung zu verleihen, so dass wir gewiss sein können, mit diesem Band ein kleines Stück Comicgeschichte in den Händen halten zu dürfen.

Anlässlich des Comic Salons Erlangen erscheint neben der regulären Softcover eine auf 333 Exemplare limitiertes Hardcover Messe Special.

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