James Bond # 1: Vargr

  Mit diesem Band veröffentlicht Splitter die US-Ausgaben # 1-6 der neuen Ongoing Serie des Geheimagenten ihrer Majestät, die in den USA bei Dynamite Entertainment erscheint.

Gleichzeitig handelt es sich um die ersten James Bond Comics seit rund 20 Jahren.

Dass James Bond die erfolgreichste und langlebigste Serie der Filmgeschichte ist keine sonderlich spektakuläre und neue Erkenntnis. Spannender ist da natürlich die Frage, ob es gelingt, einen Helden, der so fest mit der Leinwand verbunden ist, auch für das Medium Comic zu adaptieren. Mit Warren Ellis hat man immerhin einen der profiliertesten Autoren der Neuzeit gewinnen können.

Ellis gelingt mit der Storyline, Vargr, ein Spagat, der kaum für möglich gehalten werden durfte. Er verbindet die harte, klassische Kühle der Ian Fleming Romanreihe mit der Bond Interpretation eines Daniel Craig. Dabei greift er auf klassische Versatzstücke zurück, wie wir sie aus den Filmen kennen. Hierzu zählt natürlich eine Actionsequenz eingangs des Filmes, die uns nicht nur regelmäßig abholt, sondern auch gleich mitreißt. Bond befindet sich hier auf einer Rachemission und lässt keinen Zweifel daran, dass er auch wie ein eiskalter Killer handeln kann, wenn es der Job erfordert. Die Doppel Null Lizenz trägt er nicht zum Spaß. Diese Szene ist so nah an den Filmen dran, dass man unwillkürlich auf das Bond Thema wartet.

Hinzu kommen 2 Flirts mit Moneypenny, die ein wenig mehr zu sein scheint als die biedere Sekretärin. Sie reinigt ihre Waffe am Schreibtisch, statt beispielsweise ihre Nägel zu feilen oder gar zu lackieren. Und als Leser wünschen wir uns, dass wir sie demnächst auch mal in Action sehen. Optisch ist sie dann auch konsequenterweise eindeutig von Naomie Harris, der aktuellen Moneypenny, inspiriert. Auch die Auseinandersetzungen mit M, der von Bond immer ein wenig mehr fordert als es möglich erscheint und der grundsätzlich nie wirklich mit Bonds Leistungen zufrieden ist, wird thematisiert. Gerade diese Passagen sind unglaublich intensiv geschrieben. Auch die Frotzeleien mit Q, der allerdings rein gar nichts mit Ben Whishaw zu tun hat, finden ihren Platz. Hier wird auch eher ein klassischer Ansatz gewählt. Es geht nicht um ein Wunderauto, versteckte Peilsender oder Minikameras, sondern um eine effiziente Schusswaffe und Bonds Holster, das Q für hinderlich und Bond dagegen für geeignet hält, weil es seinen Anzug nicht verbeult – herrlich!

Und was wäre ein Bond ohne einen völlig irren Gegenspieler? Dieser findet sich in Slaven Kurjak, der aalglatt, skrupellos und verrückt zugleich ist. Es ist ja auch immer eine Show für sich, wie der Gegenspieler Bonds am Ende umkommt. Der Tod Kurjaks mag wenig spektakulär erscheinen, aber passt umso besser zu diesem Bond und reflektiert auch die Eingangssequenz.

Auch die politischen Verwicklungen von MI:6, um die sich Bond natürlich einen Dreck schert, finden wir durchaus wieder. Diese sind eng verwoben mit der Kulisse. Vargr spielt überwiegend in Finnland und Berlin. Die Handlung beginnt im Winter und endet im Frühjahr. Auch dies zeigt, dass auch ein Bond einen Fall nicht en passant löst. Wir sehen ihn auch nicht in irgendwelchen trendigen Clubs Wodka Martini bestellen, sondern er trinkt lieber Bourbon in Kreuzberg. Dieser Bond geht also nicht nur dahin, wo es weh tut, sondern ist eher schroff und auch ein wenig dreckig. Gerade hier entfernt er sich sogar von der Daniel Craig Darstellung und geht ein ganzes Stück weiter.

Dass dieser Bond nicht zwangsläufig ausschließlich Literatur für Comic Fans ist, ist der Verdienst von Jason Masters. Er fängt die typische Bond Atmosphäre ein und transportiert sie zum Leser. Auch durch sein Artwork wirkt der Band atmosphärisch unglaublich dicht.

Nach dem Lesen des Bandes bin ich mir sicher: James Bond will return!

Neben der regulären Ausgabe veröffentlicht Splitter noch eine limitierte Ausgabe (rechte Abbildung).

 

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