Descender # 1: Sterne aus Blech

 Mit diesem Band veröffentlicht der Splitter Verlag die ersten 6 Kapitel, die den ersten 6 US-Ausgaben entsprechen, der neuen SciFi Serie von Jeff Lemire und Dustin Nguyen. Lemire hat, bevor er für DC und Marvel tätig war, mit der Autobiografie, Essex County, und dann mit dem Endzeitszenario, Sweet Tooth, auf sich aufmerksam gemacht.

Auch bei Descender handelt es sich um eine Art Endzeitszenario. In einer Galaxie weit entfernt von hier haben riesige Roboter, sog. Harvester, für eine gewaltige Reduzierung des humanoiden Anteils der Bevölkerung gesorgt. Hierunter leidet besonders Niyrata, die Zentralwelt der Galaxis, auf der auch die regierende Monarchie beheimatet ist.

Es ist erstaunlich, wie viel Handlung Lemire in die ersten 6 Kapitel seiner Serie packt. Er entwickelt mit Dr. Quon, General Nagoki und Telsa die Hauptcharaktere und stellt sie mehrdimensional dar. Gerade bei Dr. Quon weiß Lemire darüber hinaus mit einer Wende zu überraschen.

Heimlicher Star der Serie ist mit TIM-21, einer der wenigen Roboter, der auf einer fast vergessenen Kolonie eher zufällig den Robocaust überlebt hat und der nun erbarmungslos gejagt wird. Und natürlich erscheint gerade TIM-21 menschlicher als die Menschen selbst. Dabei passiert genau das, was eben in unsicheren Zeiten geschieht. Unterschiedliche Interessengruppen versuchen das Vakuum der Macht für sich auszunutzen und scheuen dabei selbstverständlich auch nicht davor zurück, Gewalt auszuüben.

Der Grundgedanke dieser Story ist so neu nicht. Haben Roboter eine Seele? TIM-21 überrascht seinen Erbauer, Dr. Quon, immer wieder mit Aussagen, die darauf schließen lassen. Doch dieser wohl nicht ganz unwichtige Nebenstrang wird bestimmt im Laufe der Serie noch aufgelöst. Lemire wäre auch schlecht beraten, wenn er das Potential seiner Serie schon mit dem ersten Band abrufen würde.

Es ist dann die Ironie der Story, dass ein gejagter Roboter der Schlüssel für das Überleben der Menschheit sein könnte. Die Menschheit wird zwar von Robotern bedroht, aber tut im Grunde auch alles dafür, dass sie sich selbst vernichtet, weil sie eben nicht ihre Kräfte bündeln.

Bei all dem Positiven, was es über Descender zu berichten gibt, ist es wohl kein Wunder, dass Sony längst wegen der Filmrechte bei Image bzw. Lemire angeklopft hat.

Erstaunlich ist auch das Artwork von Dustin Nguyen. Mit seiner Aquarelltechnik, deren Hintergrundfarbe für den Raum oder auch die Zeit steht, in der die jeweilige Handlung verortet ist. Völlig zurecht hat Nguyen für seine Arbeit an Descender den Eisner Award gewonnen.

Bei Descender handelt es sich aktuell um eine der besten SciFi Serien, die Geld auf dem Markt kaufen kann.

 

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