Der Erlöser # 1: Der Mann, der die Gebete der toten Kinder hört

 Der Belgier Stephen Desberg ist wohl einer der produktivsten Comic Autoren der franko-belgischen Comicszene. Dies ist wohl auch eine Erklärung dafür, dass sein Werk weit verbreitet in der deutschen Verlagsszene veröffentlicht wurde.

Mit „Der Erlöser“ veröffentlicht nunmehr der Splitter Verlag seine neue Serie und die hat es in gleich mehrfacher Hinsicht mächtig in sich.

Jean Ravelle ist einer der reichsten Männer der Welt. Auf seinem Weg nach oben kannte er (fast) keine Skrupel. So hat er mit seinem Konzern, der Revel Corporation, sein Geld vorrangig in Schwellenländern verdient und hat sogar mit Han Qi die Alleinerbin eines chinesischen Verbrechersyndikatschefs geheiratet. Doch nun, nachdem er alles erreicht hat, durchforstet er seinen Konzern nach Unregelmäßigkeiten und sagt insbesondere dem Kindesmissbrauch den Kampf an. Das gefällt nicht wirklich jedem im Konzern, so dass Ravelles Leben bedroht ist.

Auf dem Gebiet der Wirtschaftsthriller ist Desberg nicht unerfahren. Schließlich schickt er bereits seit 1999 Larry b. Max als Ermittler des I.R.$ auf verschiedene Missionen.

Doch da, wo die beileibe nicht schlechte Serie I.R. aufhört, geht Der Erlöser weiter, viel weiter. Desberg nutzt als Basis für seine Story die wachsende Globalisierung der internationalen Finanzmärkte, ohne sich hier zu sehr in Details, die den Leser langweilen könnten, zu verlieren. Auch Kinderarbeit bzw. -missbrauch schneidet er an und stellt dies auch in den Mittelpunkt dieses Bandes.

Jean Ravelle ist alles Andere als ein verwöhnter Millionär. Er fährt Motorrad, begibt sich ständig in Lebensgefahr und scheut kein Risiko, um die Hintermänner von Kindermissbrauch aufzudecken. Dass dies im vorliegenden Band noch nicht vollständig gelingen kann, dürfte nicht überraschend sein. Überraschender sind da schon eher die zahlreichen Twists, die Desberg eingebaut hat. Wir können uns nie sicher sein, was uns auf der nächsten Seite inhaltlich erwartet. Dies verlangt nicht nur eine gewisse Aufmerksamkeit des Lesers, sondern fesselt uns auch an den Band.

Ein zarter Hauch von Largo Winch mag da schon über dieser Serie schweben, aber im Grunde besteht die Gemeinsamkeit darin, dass 2 Milliardäre nie sicher sein können, den nächsten Tag noch zu erleben. Das war es dann auch schon, denn im Grunde sind beide Serien sehr eigenständig. Die rasanten Verfolgungsjagden zu Wasser, auf den Straßen und auch in der Luft, die von Miguel Lalor unglaublich dynamisch dargestellt werden, erinnern ein wenig an den Agenten ihrer Majestät, James Bond. Doch auch hier enden bereits die Gemeinsamkeiten.

Miguel Lagor legt ein Artwork zum Niederknien da. Dies betrifft nicht nur seinen dynamischen Strich in den Actionsequenzen, sondern auch seine faszinierend detaillierte Darstellungen der Finanzmetropolen.

Der Auftaktband macht definitiv Lust auf mehr, denn Desberg legt das Ende dieses Bandes so an, dass ihm für die Fortsetzung alle Optionen offen bleiben.

 

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