Großväterland

GROSSV%C3%84TERLAND  Der vorliegende Band erzählt in verschiedenen Episoden Erlebnisse von Soldaten aus dem 2. Weltkrieg.

Das Fernsehen ist voll von durchaus sehenswerten Dokumentationen des wohl finstersten Kapitels der Menschheitsgeschichte. Was bei allen Fakten fehlt, ist das Persönliche, die Einzelschicksale, die hinter den Ereignissen stehen.

All die Fakten, all die Statistiken und Zahlen, die hinter den Ereignissen stehen bekommen mit diesen Episoden einen persönlichen Touch. Und genau das zeigt, dass es keine Landser Romantik gibt, sondern dass ein Krieg und insbesondere der 2. Weltkrieg eine Menschenvernichtungsmaschine war. 65 Millionen Tote bedeuten 65 Millionen Einzelschicksale. Natürlich erleben wir hier nur einen kleinen Ausschnitt, aber die Botschaft kommt rüber und ist deutlich.

Dr. Christian Hardinghaus hat für diesen Band Überlebende des Krieges interviewt und damit zunächst einmal für die Vorlage dieses Bandes gesorgt. Diese hat dann Markus Freise gekonnt umgesetzt. Sein Stil ist franko-belgisch beeinflusst. Gekonnt gibt er den Zeitzeugen ein Gesicht und gestaltet auch die Ereignisse mit der gebotenen Dynamik sowie, wenn auch an eigenen Stellen verfremdet, mit der Brutalität, die nun einmal im Krieg herrscht.

Schnell wird klar, dass es sich bei diesen Episoden um das Vermächtnis einer Generation handelt, die nun leider allmählich abtritt. Das Vermächtnis warnt uns und auch die nachfolgenden Generationen vor Krieg und kriegerischen Auseinandersetzungen. Man darf nie vergessen!

Neben Drei Steine handelt es sich hier um eine weitere eminent wichtige Publikation aus dem Hause Panini, auch wenn diese völlig unterschiedlich sind.

Eine persönliche Anmerkung von mir sei an dieser Stelle erlaubt. Meine beiden Großväter waren im 2. Weltkrieg als Soldaten eingesetzt. Mein Großvater väterlicherseits hat die Ereignisse offenbar so verarbeitet, dass er nie darüber erzählt hat, auch wenn ich ihn befragt habe. Vielleicht lag das aber auch daran, dass sein Zwillingsbruder (vermutlich im Kessel in Stalingrad, tatsächlich blieb er verschollen und wurde irgendwann für tot erklärt) gefallen ist. In diesem Band habe ich in der Episode „Fritz“ eine Idee erhalten, wie dies geschehen sein könnte.

Mein Opa mütterlicherseits hat mir dagegen oft vom Krieg erzählt. Dabei wurde er nicht müde, immer wieder zu betonen, dass er mit Glück aus 3 Kesseln entkommen ist und eine Episode, die er mir erzählt hat, ist ein wenig an „Wigand“ angelehnt. Er erzählte mir von einem Oberst, der meinen Opa, der selbst Funker war, aufforderte zu fliehen, während er eine Pistole vor sich liegen hatte und wohl keinen Sinn mehr sah.

Ohne Frage sind dies Gründe, warum dieser Band mir so besonders unter die Haut geht. Doch unabhängig hiervon ist er mehr als nur lesenswert.

Und wer übrigens die Einordnung der persönlichen Schicksale der Soldaten, deren Kapitel nach deren Vornamen benannt wurden und die so noch mehr zum Vermächtnis der Interviewten werden, im Gesamtzusammenhang des 2. Weltkrieges sehen will, wird nicht enttäuscht werden. Im Anschluss an jede einzelne Episode gibt es noch einen Textanhang, der die bebilderte Episode in den historischen Kontext rückt.

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