Freddy & Me

Halt! Stopp! Heute ist der 25. Todestag von Freddie Mercury. Dies ist Anlass genug, erneut eine Rezension über einen autobiografischen Comic von Mike Dawson mit dem Titel „Freddie & Me“ zu veröffentlichen.

Da ich selbst seit fast 40 Jahren Queen Fan bin, wird dies keine Rezension im herkömmlichen Sinne sein können, da es mir an der hierfür notwendigen Objektivität fehlt. Wer sich daran stört, sei freundlich auf meine bisherigen oder auf die kommenden Comic Rezensionen verwiesen.

Wer nun neugierig geworden ist, ist herzlich eingeladen, weiterzulesen.

Dawson beginnt seine Graphic Novel mit einer Art Einleitung und stellt sie unter das Motto „When I think of Queen I remember my whole life.“

Des Weiteren hat er auf einem Zeitstrahl die Veröffentlichungsjahre der Queen Alben hervorgehoben und darüber seine Familie im Wandel der Zeit dargestellt.

Mike ist 10 Jahre alt, als er die Sendung Top of the Pops schaut. Er freut sich auf Billy Joels Uptown Girl. Dann erscheint ein Mann als Frau verkleidet mit einem Staubsauger in der Hand. Zunächst findet er dies einfach nur lustig, doch dann zieht ihn „I want to break free“ von Queen in seinen Bann. Nun ist er Queen Fan. Er leiht sich von seinem Bruder das Album „The Works“ aus und findet im Musikschrank der Eltern das legendäre Album „A Night at the Opera“. Schon am nächsten Tag infiziert er den Nachbarjungen mit dem Queen Virus. Seine Schwester als Fan von Wham! zieht er auf.

2 Jahre später wandert seine Familie in die USA aus, weil sein Vater dort einen Job angeboten bekam. Er träumt davon, in den USA jede Menge Mädchen kennen zu lernen. Wenig später veröffentlichen Queen A Kind of Magic und Mike wird nicht müde, Queen auch bei seinen neuen Freunden in seiner neuen Heimat anzupreisen. Gleichzeitig lösen sich Wham! auf und George Michael wandelt auf Solopfaden.

Da Queen in den USA nicht sonderlich populär sind, ist es zunächst schwierig für ihn, Kontakt zu halten. Dennoch hört er von Freddies offizieller öffentlicher Ankündigung, dass er Aids habe. Mike hofft, dass Freddie noch ein paar Jahre hat. Doch schon am nächsten Tag wird ihm der Boden unter den Füßen weggezogen. Freddie Mercury ist tot! Nur schwer erträgt er den Spott oder auch das Mitgefühl seiner Mitschüler. Er muss schließlich sogar die Schulkrankenschwester aufsuchen, die Verständnis für ihn hat, da sie beim Tod von Elvis Presley ähnlich gefühlt hatte.

Mike wächst heran, schließt die High School ab und wechselt aufs College. Früh erkennt er, dass es ihm Spaß macht, Comics zu entwickeln. Seine Kunstlehrerin unterstützt ihn dabei.

Beziehungen entstehen und scheitern, bis er schließlich die Frau seines Lebens findet.

Nach Rückkehr von einem Urlaub aus Italien erfährt er, dass seine Großmutter verstorben ist. Gemeinsam mit seiner Mutter kümmert er sich um die Beerdigung und die notwendigen Formalitäten. Bei einem Spaziergang durch London stoßen sie zufällig auf das Theater, in dem das Queen Musical We will rock you gespielt wird. Spontan schauen sie es sich an und Mike ist nicht nur glücklich über die Ablenkung, sondern erkennt einmal mehr, dass mit der Musik von Queen sein Leben unweigerlich verbunden ist.

Jeder, der Musik mag, hat auf die eine oder andere Art „seine“ Band entdeckt. So, wie es Mike getan hat, ist es vielleicht gar nicht so untypisch für einen Jungen seiner Generation. Er wollte sich Billy Joel anschauen, blieb danach vor dem Fernseher sitzen und sah Queen zum ersten Mal. Video killed the Radio star. Ich musste ein wenig schmunzeln, denn Queen veröffentlichte „I want to break free“ 1984. Ich war da längst Queen Fan, aber ich bin auch 10 Jahre älter als Mike Dawson.

Ich habe selbst Queen zum ersten Mal im Herbst 1977 gehört. Es handelte sich um das bereits in 1973 erschienene Album Sheer Heart Attack. Das war unglaublich neu und auch fremd. Es sollte ein weiteres Jahr dauern, bis Queen News of the World veröffentlichte und ich zum Fan wurde. Damals fuhren wir in einer Freistunde zum Radio Brandt in Marburg, ein Geschäft, das es leider längst nicht mehr gibt, und Stefan meinte, es sei eine gute Idee, das Album zu hören. Noch heute halte ich gerade die erste Seite für ein Stück Musikgeschichte. Ja, damals hörte man noch Schallplatten. Für die jüngeren Leser, die mit CDs und MP3 aufgewachsen sind, das sind die (meist) schwarzen runden Scheiben, die über scheinbar endlos viele Rillen verfügen – tatsächlich ist es nur eine pro Seite – und die je nach Alter bei Euren Eltern oder Großeltern ganz hinten im Wohnzimmerschrank stehen oder längst auf dem Dachboden eingemottet sind.

Es mutet fast schon ein wenig ironisch an, dass Mike Dawson ausgerechnet mit dem Album The Works zum Fan wurde. Queen hatten für das Album einige Kritikerschelte einstecken müssen, weil es zu poplastig sei. Hammer to fall wurde von dieser Kritik herausgenommen.

Im Laufe der Zeit verändern sich dann das Leben und auch die Perspektiven. Man träumt nicht mehr davon, als kleiner Junge mit Queen auf der Bühne zu stehen und „We are the champions“ oder „Bohemian Rhapsody“ zu schmettern. Fragen wie die Berufswahl drängen sich immer mehr in den Vordergrund. Dennoch spielt die Musik von Queen weiterhin eine große Rolle.

Auch dies kann ich nur unterschreiben. 1984 erschein „The Works“, als ich mein Abitur baute. Und als ich 7 Jahre später für mein Diplom lernen musste, half mir „Innuendo“ zu entspannen.

Dabei rede ich noch nicht einmal von Liebeskummer, über den mir je nach Laune „Somebody to love“, „Sail away sweet sister“ oder „Love of my life“ in der Pubertät hinweghalfen.

Das Motto von Mike Dawsons Graphic Novel heißt:

„When I think of Queen I remember my whole life. “

Mit diesem simplen Satz hat er mich getroffen und versenkt. Ich kann das nur unterschreiben. Mit der Musik von Queen verbinde ich viele Anekdoten, Begebenheiten, Freunde (auch wenn der Kontakt im Laufe der Zeit zu dem einen oder anderen weniger intensiv geworden ist) oder auch Familie.

Eins werde ich Mike Dawson immer voraushaben. Ich durfte Queen gleich zweimal live erleben – 1984 und 1986. 1984 hätte ich als Rekrut um 22 Uhr im Bett liegen müssen. Mir gelang es jedoch, mich wegen einer Familienfeier bis 1 Uhr morgens beurlauben zu lassen und den Unteroffizier vom Dienst mit einer Kiste Bier zu bestechen. Das Argument „Familienfeier“ empfand ich noch nicht einmal als wirklich gelogen, denn als Queen Fan gehört man ja zur Royal Family.

1986 fuhr ich mit Uwe (ja, noch ein Uwe) nach Mannheim zur Magic Tour. Es wird für mich immer das größte und beste Konzert sein, was ich je erleben durfte. Es war ein extrem heißer Tag und als Queen nach 4 Vorgruppen auftreten sollte, waren die Zuschauer eigentlich müde und erschöpft. Darüber hinaus trug die einstündige Umbaupause nicht gerade zur Besserung der Laune bei. Doch Freddie Mercury weckte die Menge mit einem Winken auf. er hatte diese einzigartige Gabe, dass er auch eine große Menge Zuschauer in seinen Bann zog, weil es schien, dass er für jeden einzigen sang. Das Volk tobte und er hatte noch nicht einmal gesungen. Roger Taylor hatte gerade mal angezählt und Brian May hatte den ersten Akkord auf seiner Red Special gespielt.

Und hier setzt für mich ein Kritikpunkt an der vorliegenden Graphic Novel an. Für mich waren Queen immer eine Band mit 4 exzellenten Musikern und einem charismatischen Freddie Mercury als Frontman. Dawson beschränkt und fixiert sich zu sehr auf ihn und mit leichten Abstrichen auf Brian May. Doch Queen wären ohne Roger Taylor und John Deacon niemals die Band geworden, die man als Fan kannte. Gerade John Deacon hat „I want to break free“ geschrieben – das Lied, mit dem Mike Dawson zum Fan wurde.

Amüsiert habe ich mich über seine spitze Bemerkung zu „Alternative“. „Wie kann man etwas als „alternativ“ bezeichnen, wenn man im Radio nichts Anderes zu hören bekommt?“

Überaus sensibel und feinfühlig schildert er das Verhältnis zu seiner Schwester, das im Laufe der Jahre eine immer positivere Entwicklung nimmt.

Auch Freddies Ankündigung, dass er Aids hatte, traf mich. Ich hatte dies zufällig in den Nachrichten am Samstagabend gehört. Am folgenden Sonntag hatten wir Tischtennis Vereinsmeisterschaften. Ich gewann und widmete den Titel Freddie, der ja in seiner Jugend selbst begeisterter Tischtennis Spieler war. Meine Mannschaftskameraden hielten mich wohl für endgültig durchgeknallt. Am nächsten Tag weckte mich meine Mutter vor dem Wecker mit den Worten: „Freddie ist tot.“ Ich hielt mich gar nicht mit den deutschen Kanälen auf und schaltete direkt Sky ONE an. Dort war man live vor Ort bei seiner Villa in Kensington, vor deren Eingang sich bereits ein Blumenmeer ergoss.

Der Tod Freddies ist nach der Schilderung des Todes der Großmutter der zweite dramaturgische Höhepunkt in Dawsons Comic. Bei seiner Großmutter kam hinzu, dass er merkte, dass nun seine englischen Wurzeln, seine Verbindung zur alten Heimat England endgültig gekappt war.

Das für mich Überraschende an der Graphic Novel offenbart sich erst gegen Ende. Dawson hat seinen Comic wie das Lied Bohemian Rhapsody aufgebaut. Es gibt ein Kapitel, dass Ballade heißt, eins, das er The Opera nennt und das Schlusskapitel trägt die Bezeichnung Hard Rock. Erzähltempo und Inhalt sind den jeweiligen Überschriften angepasst.

Egal, ob man Queen nun mag oder nicht, dieser Comic fesselt jeden Leser und ich wette, manch einer hört dann doch mal heimlich einen Queen Song, auch wenn er sich nie als Fan outen wird.

Schade, dass Freddie & Me bisher nicht auf Deutsch vorliegt. Und danke an einen ehemals guten Freund, der den Comic im Urlaub entdeckt und mir mitgebracht hat.

Danke an Mike Dawson für diesen Comic!

Thanks to Freddie for all..

Nothing really matters

Anyone can see

Nothing really matters to me

Anyway the wind blows…

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