isoundwords # 40: Die Eine über die neue Schwierigkeit von Signierterminen

Als ich diese Kolumne schreibe, bin ich über die sog., teilweise sehr kreativ gestalteten Abi-Banner erstaunt, die ich auf meiner täglichen Gassi-Geh-Runde sehe. Unwillkürlich denkt man an seine eigene Abi-zeit zurück. Da gab es die Abi-Banner noch nicht. Woher auch? Wir hatten ja nichts.. Es gab nur den gut gemeinten Rat der Mutter, „sich nicht so verrückt zu machen“, mit der geraunzten Antwort, dass man „sich nicht verrückt mache“, wobei das Raunzen an sich das Eingeständnis war, dass man sich eben doch verrückt gemacht hat.

Doch nun zum eigentlichen Thema:

Ich denke, viele von uns Comiclesern und -sammlern war schon einmal bei einem Signiertermin in seinem Stammladen oder auf einer der Veranstaltungen, zu denen Verlage Zeichner einladen.  Aus aktuellem Anlass führe ich da mal die Leipziger Buchmesse an, aber auch der Comicsalon Erlangen, das Comcifestival München, die Comic Action oder auch die Comic Con Germany, um nur einige zu nennen, sind Veranstaltungen, die bestimmt schon der eine oder andere Leser meiner Kolumne besucht hat.

Dort treffen wir Zeichner an, die zum Teil echte Superstars sind oder die auf dem weg dahin sind. Der eklatante Unterschied zu einem Star im Sport (ich weiß, das Beispiel hinkt, aber noch ein schlechteres habe ich gerade nicht) ist, dass die Zeichner eigentlich zuhause am Zeichentisch arbeiten und nur auf solchen Veranstaltungen, die sie aus zeitlichen Gründen oft auch nicht im Überfluss besuchen können, Kontakt zu ihren Fans pflegen können. Das Ergebnis eines solchen Kontakts sind dann oft Sketche. Manch einer lässt sich so seinen Comic veredeln oder hat gar ein Sketchbuch, in dem sich die Zeichner verewigen. Solche Sketche werden dann von den Zeichnern oft auf den diversen Social Media Plattformen eingestellt.

Das System in den USA und diesem unserem Lande hat einen wesentlichen Unterschied. In den USA geht man bei den diversen Veranstaltungen zum Zeichner seines Herzens, bezahlt ihn unmittelbar und erhält seine Zeichnung.

Bei uns wird der Zeichner von einem der Verlage eingeladen, erhält sein Geld unmittelbar vom Verlag und zeichnet einen Sketch für seinen Fan. Die Verlage refinanzieren sich dann meist über den Verkauf von Comics, der die Eintrittskarte zu dem Künstler darstellt. (Das Thema „Vergabepraxis“ der oft zu raren Plätze klammere ich hier bewusst aus, weil es uns vom eigentlichen Thema viel zu weit wegführt und darüber hinaus so komplex ist, dass man daraus schon eine eigene Kolumne machen kann.)

Eine weitere Form der Refinanzierung sind dann hin und wieder Touren, die die Künstler in Comic Shops vor Ort führen. Hier zahlen dann die Händler an den Verlag und refinanzieren sich selbst dann wiederum auch über den Verkauf von Comics.

Ich denke, mittlerweile haben es auch die Hinterbänkler gemerkt, dass es bei den Signierterminen in diesem, unserem Lande um den Verkauf von Comics geht. Und je mehr Comics verkauft werden, desto besser für den Verlag bzw. Händler. Der künstlerische Anspruch an den Sketch muss sich dann oft diesem Umstand unterordnen. Und das ist im Prinzip auch gut so.

In den USA sieht das ein wenig anders aus. Dadurch, dass der Fan den Künstler unmittelbar bezahlt, steht natürlich der Anspruch an den Sketch selbst im Vordergrund. Und ich bin ehrlich, die Sketche, die dann von den Künstlern beispielsweise auf Facebook eingestellt werden, würden auch mein Sketchbuch in neue, ungeahnte Höhen treiben. Hier schlagen also zwei Herzen in meiner Brust. Der Fanboy wünscht sich den geilsten Sketch, den er kriegen kann, während der Vernunftsmensch auf dem Boden der Tatsachen bleibt und dem Verlag oder seinem Stammhändler den Verkauf von möglichst vielen Comics gönnt, was ja mittelbar auch wieder uns Fans zu gute kommt. Je mehr Geld ein Verlag verdient, desto eher ist ein Verlag auch mal bereit, ein Projekt zu riskieren, bei dem man vielleicht bestenfalls die berühmte Schwarze Null schreibt.

Gespannt bin ich, welchen Einfluss die Comic Cons hierauf ausüben werden, weil z.B. die German Comic Con, die ja auch in Kürze erstmals in Frankfurt am Main stattfindet, nicht von Panini unterstützt wird. Wir wissen bisher noch nicht abschließend, welche Zeichner nach Frankfurt eingeladen und dem Ruf auch folgen werden, weil der bisherige Schwerpunkt eindeutig auf den TV-Stars liegt. Michael Holtschulte, Joscha Sauer und Martin Perscheid legen den Schwerpunkt eher auf Cartoon. Sieht also so aus, als müsse ich da bei allem Respekt vor den Künstlern und ganz besonders vor Joscha, nicht wirklich zwingend hin, was eigentlich bei einem „Beinahe-Heimspiel“ schade ist.

Eine weitere Entwicklung, die mir zu denken gibt, ist die Organisation von Vorlesungen. Carlsen, aber auch Reprodukt, halten in ausgewählten Städten in Zusammenarbeit mit einem Künstler eine Vorlesung. Die Absicht, die dahinter steckt, ist klar und aller Ehren wert. Man versucht so neue Leser zu erschließen und auch die Comics unmittelbar zu verkaufen. Zudem zahlt man ja auch als Besucher Eintritt. Hier sollte man aber auch den Händler vor Ort nicht außen vor lassen. Entweder organsiert man dann einen Signiertermin zusätzlich bei einem Händler vor Ort oder man überlässt den Verkaufsstand einem der ortsansässigen Händler. Es kann doch nicht sein, dass bei einem Event wie dem Gratis Comic Tag die Zusammenarbeit zwischen Verlagen und Händler so wunderbar funktioniert und hier aber erste Tendenzen einer Verfaserung ausgemacht werden. Ich werde diese Entwicklung definitiv beobachten. Mal schauen, ob dies dann nochmals hier Thema werden wird.

Als Lesetipp gibt es diesmal Black Widow # 1, eine herausragende Agentenstory.

Beim Musikgruß komme ich ja gerne auf den ersten Absatz zurück. Also gibt es die beiden Lieder, die mir durchs Abi geholfen haben. Viel Spaß mit Queen und Radio Gaga und Jump von Van Halen.

Die nächste isoundwords erscheint schon nächsten Freitag, also am 31.03.2017, und wird den Titel tragen: Die Eine über „the brandnew Marvel Way“ oder wie Marvel seine Fans verärgert.

Bis dahin: Lest mehr Comics!

 

 

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7 Gedanken zu “isoundwords # 40: Die Eine über die neue Schwierigkeit von Signierterminen

  1. Als ich diese Kolumne gelesen habe, war ich etwas sauer. Das sage ich ehrlich und frei heraus. Hier haben sie meiner Meinung nach glatt am Thema vorbei geschrieben. Warum? Sie locken den Leser mit der Clickbait-Überschrift „Die Eine über die NEUE Schwierigkeit von Signierterminen“. Eine „neue Schwierigkeit“ kann ich allerdings beim besten Willen nicht erkennen. Die Unterschiede zwischen Signierterminen in Deutschland (oder sagen wir mal großzügig in Europa) und denen in den USA liegen zwar absolut auf der Hand und wurden auch von Ihnen richtig wiedergegeben, nur sind diese alles andere als neu. Das ist nunmehr seit Jahren, wenn nicht gar seit Jahrzehnten gängige Praxis.
    Die deutschsprachigen Comic-Cons richten sich, wie sie festgestellt haben, an ein (zumindest teilweise) anderes Publikum. Zu dieser Einschätzung konnte man bereits gelangen, wenn man die Entwicklung der großen Geschwister in den USA verfolgt hat. Die San Diego Comic Con ist schon eine ganze Weile mehr Entertainment-Convention, als reine Comic-Convention, oder? Dass die deutschsprachige Adaption einem ähnlichen Muster folgen würde, war zu erwarten – oder zumindest zu erahnen. Ob Verlage diese Conventions als Verkaufsmöglichkeit sehen, wird sich zeigen müssen. Dass Panini nicht dabei ist, ist nur teilweise richtig… Auf der German Comic Con sind sie zwar nicht vertreten, wie sie richtig festgestellt haben, auf der Comic Con Germany hingegeben, welche von einem anderen Veranstalter ausgerichtet wird, sieht das anders aus. Zudem nutzen Kleinverlage die Conventions als Präsentationsflächen. Auch hierbei kann ich keine wirkliche Schwierigkeit erkennen, wenn man die Bezeichnung Comic Con mal außer Acht lässt.
    Am Ende sprechen Sie schließlich die Entwicklung an, die Ihrem Titel entsprechend wohl die neue Schwierigkeit mit Signierterminen darstellen soll: hier prangern Sie an, dass Lesungen stattfinden, in deren Umfeld aber keine Signiertermine bei lokalen Händlern angedacht werden… „Ich werde diese Entwicklung definitiv beobachten.“, versprechen Sie hier. Das hätten Sie lieber vorher machen sollen, dann hätten sie sich diese Bedenken vielleicht selbst genommen. Aktuellstes Beispiel, dass dies bereits stattfindet, ist die Veranstaltungsreihe „Stories & Strips“, die in Frankfurt immer wieder Lesungen veranstaltet und diese auch mit Signierterminen in lokalen Läden, wie zum Beispiel ihrem angeblichen Stammladen, dem T3, verbindet. Zuletzt so geschehen am 21.03.2017 mit Guy Delisle… Klar, dieses Konzept ist durchaus noch ausbaufähig, aber ganz so schwarz, wie Sie ihn darstellen, ist der Horizont dann doch nicht.

    • Dass ich Carlsen und Reprodukt erwähnt habe, war kein Zufall. Hier haben erst kürzlich 2 Lesungen in Frankfurt stattgefunden, ohne dass diese um einen Signiertermin ergänzt wurden. Und das war gerade bei der von Reprodukt eingeladenen Künstlerin mehr als nur bedauerlich.
      Hinzu kommt, dass ein Teil der Künstler das Einstellen ihrer Sketche als eine Art verrückten Wettbewerb betrachtet. So musste das T3 in einem Fall, einen Künstler absagen, weil er nur 5-6 Sketche schafft und zwar genau aus dem zuvor beschriebenen Grund, d.h. sensationelle Sketche für die Kunden, aber viel zu wenig Umsatz beim Händler.

  2. Ich habe ja auch mit keiner Silbe die zwei von Ihnen erwähnten Lesungen bestritten, die eben das versäumt haben. Allerdings berichten Sie hier äußerst einseitig – wieder einmal. Das entweder bewusst, weil es Ihnen in den Kram passt, um jene „neue Schwierigkeit“ zu verkaufen, die Sie da investigativ enthüllt haben, oder aber aus Unwissenheit. Es gibt eben auch Gegenbeispiele, wie den Signiertermin dieser Woche.
    Bei der anderen Thematik muss man wissen, was man will… Will man Bücher verkaufen und der Signiertermin fungiert als Promo-Termin, müssen Händler und / oder Verlag auf der einen Seite dafür sorgen, dass dem Künstler klar ist, dass hierbei so viele Fans / Kunden, wie möglich, einen Sketch möchten. Wenn sich der Künstler darauf nicht einlassen möchte, weil ihm Perfektion (aus welchem Grund auch immer – und ist‘ s ein Wettbewerb, sei‘ s drum) wichtiger ist, ist es doch fair genug zu sagen, dass er nur eine bestimmte Anzahl an Zeichnungen schafft, auch wenn so ein Signiertermin dann bedauerlicher Weise nicht zustande kommt. Oft genug passiert es dann eben doch, dass der Künstler gefrustet ist und nur noch Sketche abliefert, die auch die Fans frustriert zurück lässt – und keinem von beiden ist geholfen… Ich bin mir sicher, Sie haben solch einen Signiertermin auch schon erlebt…

    • Leider und natürlich habe ich solche Signiertermine auch erlebt. Steht ja auch nicht im Widerspruch zur Kolumne.
      Bei den Lesungen geht es mir um die Zusammenarbeit Verlage / Einzelhändler. Das von Dir angeführte Beispiel ist fraglos erwähnenswert, aber betrifft eine andere Kategorie.

  3. Das stimmt natürlich – der Verlag war da am wenigsten involviert. Okay, dieser Punkt geht an Sie. Dennoch komme ich auch hier noch einmal zu meiner Kernfrage zurück: Welche ist denn nun eigentlich die „neue“ Schwierigkeit bei Signierterminen? Denn wirklich neu ist leider auch diese Thematik nicht…

    • Nochmal: Die neue Kategorie ist zumindest mal für mich, dass sich die Künstler auf den social media Plattformen gegenseitig beäugen und dies zumindest teilweise als eine Art Konkurrenzkampf ansehen, was wiederum auf das reflektiert, was sie anlässlich eines Signiertermins leisten wollen. Wenn dann ein Künstler nur 5-6 Sketche pro stunde schafft, ist das natürlich für den Händler nicht wirklich vorteilhaft, was in einem Fall dazu geführt hat, dass ein wirklich erstklassiger Zeichner eben keine Signierstunde in FFM halten konnte.

  4. Ach so, okay…
    Dass dieser Social Media – Wettbewerb für Sie die titelgebende neue Kategorie darstellt, ging aus der Kolumne und den bisherigen Kommentaren nicht wirklich hervor. Das war in meiner Wahrnehmung allenfalls eine weitere Aufzählung von Dingen, die Sie als Schwierigkeit gedeutet haben. Allerdings schreiben Sie auch selbst ganz richtig: „Die neue Kategorie ist zumindest mal für mich, dass…“. Nun sollten Sie dabei aber berücksichtigen, dass ich als Leser ihres Blogs im Zweifel schon ein paar Jahre Vorsprung haben könnte und dieser Wettbewerb alles andere als neu für mich ist. Gut, zumindest bis vor ein paar wenigen Jahren hatten Sie kein privates Internet; Facebook und andere soziale Netzwerke sollte man auf der Arbeit auch nicht ständig laufen lassen, das verstehe ich schon. Das ist aber, wie gesagt, Ihr individuelles Aktualitätsproblem.
    Die Praxis selbst liegt doch auf der Hand. Sie haben den Unterschied zwischen Signierterminen hierzulande und denen in den USA treffend herausgearbeitet. Mit bezahlten Sketches bis hin zu Comissions teilfinanzieren sich die Künstler in den USA. Auch hierzulande werden parallel zu den Signierterminen Comissions angeboten. Damit die Künstler ihre individuellen Werke verkaufen können, braucht es Werbung – wer kauft schon gerne die Katze im Sack? Dass dann die Social Media – Kanäle als Wettbewerbsfläche genutzt werden, ist doch letztlich völlig legitim. Ja, hierzulande gelten andere Regeln. Dem Künstler muss klar sein, dass seine Teilfinanzierung hier durch die verkauften Bücher zustande kommt. Aber sehen Sie wirklich ein ernsthaftes Problem darin, dass sich ein paar Künstler nicht damit arrangieren können, weil sie sich zu viel Mühe geben? Dafür nennen Sie in Ihren Kommentaren gerade mal ein Beispiel. Nochmal: Hätte sich besagter Künstler wirklich dazu hinreißen lassen, mehr Sketche abzuarbeiten, wäre das, wie Sie schon richtig anmerkten, qualitativ auf einem anderen Level gewesen. Nun kennen Sie und andere Kunden aber möglicherweise seine Sketche aus den sozialen Netzwerken und wären wiederum enttäuscht. Zwar haben Sie oben angedeutet, dass Sie das im Zweifel vernünftig zu differenzieren wüssten. Ich kann mich aber auch erinnern, dass Sie in der Vergangenheit oft genug und nicht minder lautstark die Qualität von Sketch-Zeichnungen bemängelt haben (als Beispiele nenne ich hier mal Greg Horn). Ob das der Künstler nun akzeptiert oder nicht, ist schließlich seine Entscheidung, da auch sein Image ein Stück weit davon abhängt. Wenn er den Anspruch an sich hat, Zeichnungen in der Qualität zu liefern, dass er in dieser Zeit nur 5-6 dieser Zeichnungen schafft, ist dieses Eingeständnis fair genug, um Verlag und Händler entscheiden zu lassen, den Signiertermin zu machen, oder eben nicht. Ich denke, dass auch Sie in den letzten Jahren trotz dieser Schwierigkeit in den Genuss einiger toller Signiertermine gekommen sind. Zumindest gab es in Ihrem Stammladen eine Vielzahl an Signierterminen – auch mit Künstlern, die diesen Wettbewerb auf den Plattformen nutzen, um ihre Kunst zu verkaufen. Wenn Sie diese Signiertermine jedoch nicht wahrnehmen, dann ist das erneut Ihr Problem und kein Grund für irgendwelche homöopathisch begründeten „Schwierigkeiten“, die fälschlicherweise auch noch als „neu“ definiert werden.

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