Die Toten Z I.2

 Die Zombiekalypse kehrt mit gleich 5 Stories zurück. Und wie es sich für einen „Die Toten“ Band gehört, könnten die Stories trotz des gleichen Grundtenors und der identischen Ausgangslage kaum unterschiedlicher ein.

Genau hierin liegt u.a. der Reiz, Die Toten zu lesen. Betrachtet man sich dann als Leser die Stories im Einzelnen, fällt gleich die erste Story, die in Bochum spielt, besonders auf. Wir haben einen fast schon liebenswürdigen Helden, der völlig überfordert wirkt und ohne die Hilfe der Heldin vielleicht nicht von Zombies gefressen, sondern allerdings  in jedem Fall erfroren wäre. Natürlich macht es Spaß, dass hier das Mädchen die Akteurin ist und weiß, wie man mit einer Axt umzugehen hat, während der Junge eher die emotionale Seite anspricht. Der Clou der Story liegt aber in den Turns der Story, die beide zusammenbringt, ohne kitschig zu werden.

Timo Grubing steuert ein ungemein stimmiges Artwork bei. Er legt viel Wert auf Emotionen, die er in die Mimik der Charaktere zaubert. Dabei zeigt er eindrucksvoll, dass er die komplette Emotionspalette beherrscht. Ferner wird sein Strich in den Actionsequenzen dynamisch und ruhiger, wenn es der Plot erfordert.

Die zweite Story, die in Potsdam spielt, erfordert vom Leser ein wenig Geduld, weil sie weniger auf eine Gesamtentwicklung des Plots als vielmehr auf eine Wendung ausgerichtet ist. Diese Wendung ist allein schon deswegen außergewöhnlich, weil sie wirklich völlig überraschend gesetzt ist.

Die dritte Story spielt in Berlin und handelt von einer Gruppe Jugendlicher, der der „offensichtlichen“ Ursache der Zombie Plage auf den Grund gehen und sie so beenden wollen. Dass dies nicht zwingend von Erfolg gekrönt ist, dürfte keinen überraschen. Doch der Weg zum Misserfolg ist das, was uns Leser schmunzeln lässt.

Die vierte Story, die in und von einem Bundeswehrlager in Nord-Brandenburg handelt, spricht mittelbar natürlich die Zombieplage an, aber sich vordergründig mit den Schattenseiten befasst, mit denen sich die Lebenden herumschlagen müssen. Im Grunde bringt es der Kommandeur des Lagers auf den Punkt:“ Bald wird es nur noch zwei Arten von uns geben: Menschen mit Waffen und Menschen ohne Waffen. Besser Sie entscheiden sich schon mal, wozu Sie gehören wollen.“ Traditionelle Werte zählen längst nicht mehr und so wird der Mensch dem Menschen auch zum Wolf. Die Auflösung der Story hat mich nicht wirklich überrascht, was aber nicht daran liegt, dass sie schlecht erzählt oder getimt, sondern konsequent dargelegt wurde. Das Artwork von Rudy Eizenhöfer ist ungemein atmosphärisch und fängt auch die Beklemmung, die von solch einem Lager per se ausgeht, ein.

Die abschließende Story zeigt, dass auch Zombies weiterhin ihren Gewohnheiten aus Lebzeiten nachgehen. Also spielen sie auch weiterhin Golf in ihrem Club. Doch das ist nur das ironisch angehauchte Beiwerk. Tatsächlich haben wir eine unvollendete Love Story, die sich so ähnlich und logischerweise mit veränderten Vorzeichen auch im „wirklichen Leben“ so ereignen könnte.

Insgesamt liefern Panini und Zwerchfell eine mehr als nur gelungene Erweiterung und Ergänzung der Zombie Saga vor. Es ist dann wohl auf die Kooperation mit Panini zurückzuführen, dass wir uns wieder in Phase I nach dem Ausbruch der Zombieplage befinden, während ja Zwerchfell schon in Phase II angekommen war. Doch bei einer Story mit anthologischem Charakter stellt das kein Problem dar – erst recht nicht, wenn die kooperierenden Verlage einen Band mit solchen Stories vorlegen.

Da es im Panini Forum thematisiert wurde, möchte ich betonen, dass auch dieses Cover definitiv von Ingo Römling stammt. Wer es nicht glaubt, möge sich das Backcover betrachten und findet Ingos Paraphe in der Blutlache direkt neben dem linken Fuß des Zombies.

Der nächste Zombie Band darf dann auch ruhig etwas schneller kommen. Vielleicht kann man ja den Erscheinungsrhythmus in eine Art Routine überführen (z.b. jeweils zur Comic Action o.ä.).

3 Gedanken zu “Die Toten Z I.2

  1. Schöne Rezi! Kleine Korrektur: Die gelobten Zeichnungen in der ersten Story stammen von Timo Grubing. Susanne Korff-Knoblauch war Co-Autorin.

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